Sóley - We Sink

Sóley

We Sink

Morr Music morr 107-cd DL
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Vinyl version is 3-sided, fourth side has a special etching! Comes in a deluxe gatefold sleeve & includes a free download of the album.

Ein freihändig angedachter Beat galoppiert zaghaft drauflos, sepiafarbene Klavierwolken ziehen auf, erst flirrend, dann satter und satter, schließlich erhebt die Isländerin Sóley ihre Stimme, die bis vor rund fünf Jahren noch gar keine Gesangsstimme war. Die Mittzwanzigerin mit dem Kassenbrillengestell hat nämlich erst recht spät, als sie mit ihrer Band Seabear schon längst durch die große, weite Welt tingelte, erkannt, was in dieser Stimme steckt. Denn obgleich Sóley Stefánsdóttir laut eigener Aussage so gut wie immer eine Melodie vor sich her singt, hat es nun mal eine Weile gedauert, bis sie sich an den Klang dieser Stimme gewöhnt hatte. Man kennt das ja.
Besagter Klang steht denn auch im Mittelpunkt ihrer Songs, die wie eine Laterna Magica aufleuchten, Gestalt annehmen, verschwimmen und wieder aufflammen, weiterziehen. Soléy ganz ohne Seabear-Rückendeckung – wobei Bandenchef Sindri natürlich der erste Bär auf Solopfaden war, als Sin Fang Bous – ist in erster Linie eine Geschichtenerzählerin mit ihrem ganz eigenen Wunderland; recht schüchtern, wenn man ihr auf der Straße begegnet, nicht so in dieser Region, deren Grenzen sie nach Belieben neu auslotet und absteckt, sprengt. Sie fabuliert, was das Zeug hält, mal sehr zum Leidwesen der Vögel („Smashed Birds“), deren Federn gleich zu Beginn der Platte für ein schönes neues Kleid herhalten müssen, während die nur sporadisch auftauchende Gitarre den gezupften Ton angibt; dann über fragilen Hallweiten in just dem Moment, an dem der Traum als solcher enttarnt wird; über Zauberteppichen mit (Stumm-) Filmmusikqualitäten („Fight Them Soft“, übrigens durchaus ein passendes Motto), dann wieder tischt sie einem „Blue Leaves“ auf – und stets fügt Sóley, die übrigens Komposition studiert hat, die Elemente mit einem inneren Schnipsen, einem Schnalzen und einer Leichtigkeit zusammen, der man schon häufiger auf dieser Insel begegnet ist. Ganz zu schweigen von diesem isländischen R, das so um die Zungenspitze kullert, erst geradeaus, dann obenrum doch abbiegt und schließlich auf die Zielgrade geht, ganz wie der Buchstabe selbst.
Nach der ersten 6-Track-EP „Theater Island“ aus dem vergangenen Jahr nun also ein Album, auf dem die improvisierten Beat-Fundstücke immer wieder organisch vor sich hin atmen, die Handclaps im Unterholz zum Mitmachen einladen. Das Resultat ist mal catchy, wunderbar verschroben gelegentlich, nordischer Strickjacken-Folk mit halbblinden Gläsern, die im WG-Abwaschwasser hin und her schippern, schön Lee vor Luv. Ohne lästige Attitüden, einfach nur frei heraus – so wie eine Joanna Newsom ohne Harfe, wie die Casady-Schwestern auf ihrem Debüt mal angefangen haben, dann aber natürlich weniger schief. Obendrauf Vocals und Loops, die wie Holzspielzeugzüge durch die Landschaft gleiten, und immer dieses Klavier, das gemeinsam mit Sóleys Stimme, die sich sogar als Amateur-Beatboxerin ausprobiert, den Ton angibt, zumindest bis wieder irgendwo ein unerwartetes Element erwacht – ein rhythmisches Knarzen oder Fehlen desselben, wie ein versteckter Rube-Goldberg-Apparat, der irgendwo noch etwas anderes anstößt, als Türschwelle in den nächsten Klangraum verweist. Und so sinken wir immer weiter, bis wir mit einem Mal doch wieder festen Boden unter den Füßen haben, irgendwo im Augenwinkel ein freihändig angedachter Beat drauflos galoppiert, zaghaft zunächst...

Sóley: We Sink

I'll Drown Sóley 3:32
Smashed Birds Sóley 3:42
Pretty Face Sóley 4:40
Bad Dream Sóley 2:13
Dance Sóley 4:03
And Leave Sóley 3:29
Blue Leaves Sóley 2:49
Kill The Clown Sóley 3:43
Fight Them Soft Sóley 1:30
About Your Funeral Sóley 6:09
The Sun Is Going Down I Sóley 2:12
The Sun Is Going Down II Sóley 5:32
Theater Island Sóley 3:56

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