Michael Benjamin Lerner, unrasierter Kopf und streng genommen einziges Mitglied von Telekinesis aus Seattle, wollte sich gerade daran machen, sein zweites Album aufzunehmen, als er plötzlich feststellen musste, dass er nach all den Auftritten der vorangegangenen Monate wieder ohne Band dastand ? dazu war ihm permanent schwindelig und der Tourbus war auch hinüber. Die Fernbeziehung, die sich wie ein roter Faden durch sein Debütalbum Telekinesis! zog, war längst passé; und auch wenn der just absolvierte Abstecher nach Berlin sicherlich dringend nötig gewesen war, hatte Michael doch nicht allzu viel von der Stadt gesehen. Wie auch, wenn man sich von morgens bis abends einschließt und an neuen Songideen feilt?
Zurück in den Staaten, legte er sich erst mal einen neuen Bass zu (sein neues Motto: mehr Bass! Dreckige Bässe!), schrieb noch ein paar Tracks und brach daraufhin nach Portland auf, um wie zuvor mit seinem Buddy Chris Walla (Death Cab for Cutie; The Decemberists) ins Studio zu gehen. In der Abgeschiedenheit des Jackpot! Studios machten die beiden im Grunde genommen dort weiter, wo sie mit Telekinesis! aufgehört hatten: Walla stand wiederum hinter den Reglern, während Michael seine Songs schön analog und schnörkellos auf Band aufnahm. Neu war nur, dass Walla auch mal als Co-Autor in Aktion treten durfte (?Gotta Get It Right Now?).
Was das Faible für analoge Bandmaschinen betrifft: Es stimmt, Lerner mag zwar noch keine 25 sein, aber er steht trotzdem auf dermaßen unzeitgemäße Arbeitsweisen. Laut eigener Aussage ist es ihm noch nie gelungen, ein halbwegs brauchbares Bild mit einer Digitalkamera zu schießen. ?Das geht jedes Mal voll in die Hose?, so sein Kommentar. Wen wundert?s: Seine Songs sind so oder so eher mit Polaroids zu vergleichen ? er schießt sie einfach aus der Hüfte mit seinem Instrumentenpark, schüttelt die jeweilige Momentaufnahme ein wenig und hält sie ins Licht.
Das Ergebnis der Sessions mit Walla heißt 12 Desperate Straight Lines: 12 neue Songs, in denen Herzschmerz, Wut und gelegentlich sogar so etwas wie Hoffnungsschimmer aufflackern. Songs, die sofort ins Blut, ins Hirn, in die Beine, in den Bauch gehen und locker als Lehrstücke in Sachen eingängiger Indie- bzw. Power-Pop durchgehen. Sie klingen sogar noch fetter ? und manchmal: verzerrter ? als zuvor. Was sie nur noch ansteckender macht.
Und selbst wenn der Albumtitel es vermuten lässt, sind die neuen Tracks alles andere als ?straight? oder gradlinig: Lerner kann durchaus ein wenig spleenig und schrullig klingen, der Bass darf gerne mal übersteuern; er will auch Momente auf Tape festhalten, bei denen man nicht tanzen, sondern einfach nur ganz genau hinhören will. Je nach Laune und Tagesform halt: Entscheidend ist, dass jede Art von Song für ihn zunächst irgendwo in der Magengegend entsteht. Entstehen muss. Musik als Bauchgefühlsangelegenheit. Das war schon beim ersten Album so.
Was die kommenden Live-Shows betrifft: Er hat mit Bassist Jason Narducy (Robert Pollard; Verbow) und Gitarrist Cody Votolato (Jaguar Love; The Blood Brothers) die nötige Verstärkung gefunden; dazu läuft auch der Tourbus wieder; das Schwindelgefühl ist weg, überhaupt kann?s wieder losgehen.
Wie schrieb das Spin-Magazin noch vor anderthalb Jahren? ?Wer nicht auf Telekinesis abgeht, muss wohl was an den Ohren haben.? Der neueste Beweis dafür ist 12 Desperate Straight Lines. Ein Album, das diverse Körperteile (Eustachische Röhren, Füße, Köpfe, Hüften, Arme) automatisch in Bewegung setzt. Zugleich ein Beweis also, dass Telekinese doch funktioniert.
Zurück in den Staaten, legte er sich erst mal einen neuen Bass zu (sein neues Motto: mehr Bass! Dreckige Bässe!), schrieb noch ein paar Tracks und brach daraufhin nach Portland auf, um wie zuvor mit seinem Buddy Chris Walla (Death Cab for Cutie; The Decemberists) ins Studio zu gehen. In der Abgeschiedenheit des Jackpot! Studios machten die beiden im Grunde genommen dort weiter, wo sie mit Telekinesis! aufgehört hatten: Walla stand wiederum hinter den Reglern, während Michael seine Songs schön analog und schnörkellos auf Band aufnahm. Neu war nur, dass Walla auch mal als Co-Autor in Aktion treten durfte (?Gotta Get It Right Now?).
Was das Faible für analoge Bandmaschinen betrifft: Es stimmt, Lerner mag zwar noch keine 25 sein, aber er steht trotzdem auf dermaßen unzeitgemäße Arbeitsweisen. Laut eigener Aussage ist es ihm noch nie gelungen, ein halbwegs brauchbares Bild mit einer Digitalkamera zu schießen. ?Das geht jedes Mal voll in die Hose?, so sein Kommentar. Wen wundert?s: Seine Songs sind so oder so eher mit Polaroids zu vergleichen ? er schießt sie einfach aus der Hüfte mit seinem Instrumentenpark, schüttelt die jeweilige Momentaufnahme ein wenig und hält sie ins Licht.
Das Ergebnis der Sessions mit Walla heißt 12 Desperate Straight Lines: 12 neue Songs, in denen Herzschmerz, Wut und gelegentlich sogar so etwas wie Hoffnungsschimmer aufflackern. Songs, die sofort ins Blut, ins Hirn, in die Beine, in den Bauch gehen und locker als Lehrstücke in Sachen eingängiger Indie- bzw. Power-Pop durchgehen. Sie klingen sogar noch fetter ? und manchmal: verzerrter ? als zuvor. Was sie nur noch ansteckender macht.
Und selbst wenn der Albumtitel es vermuten lässt, sind die neuen Tracks alles andere als ?straight? oder gradlinig: Lerner kann durchaus ein wenig spleenig und schrullig klingen, der Bass darf gerne mal übersteuern; er will auch Momente auf Tape festhalten, bei denen man nicht tanzen, sondern einfach nur ganz genau hinhören will. Je nach Laune und Tagesform halt: Entscheidend ist, dass jede Art von Song für ihn zunächst irgendwo in der Magengegend entsteht. Entstehen muss. Musik als Bauchgefühlsangelegenheit. Das war schon beim ersten Album so.
Was die kommenden Live-Shows betrifft: Er hat mit Bassist Jason Narducy (Robert Pollard; Verbow) und Gitarrist Cody Votolato (Jaguar Love; The Blood Brothers) die nötige Verstärkung gefunden; dazu läuft auch der Tourbus wieder; das Schwindelgefühl ist weg, überhaupt kann?s wieder losgehen.
Wie schrieb das Spin-Magazin noch vor anderthalb Jahren? ?Wer nicht auf Telekinesis abgeht, muss wohl was an den Ohren haben.? Der neueste Beweis dafür ist 12 Desperate Straight Lines. Ein Album, das diverse Körperteile (Eustachische Röhren, Füße, Köpfe, Hüften, Arme) automatisch in Bewegung setzt. Zugleich ein Beweis also, dass Telekinese doch funktioniert.
Telekinesis: 12 Desperate Straight Lines
You Turn Clear In The Sun
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Please Ask For Help
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