
Im Oktober 2007 wurde Masha Qrella vom Berliner Haus der Kulturen der Welt eingeladen, im Rahmen der "New York - Berlin" Festivitäten zum 50jährigen Bestehen des Hauses einen Abend zu gestalten. Unter dem Motto "Broadway - Cradle of Popular Music" galt es, sich mit Kompositonen von Kurt Weill und Frederick Loewe auseinander zusetzen.
Wir baten den Kurator der Veranstaltungsreihe Detlef Diederichsen um Linernotes zu den nun erscheinenden Neu-Interpretationen der Broadway Klassiker. Hier ein Auszug:
"[...] Wie wäre es, wenn man Berlin und Broadway auf diesen gemeinsamen Nenner [Popular Music] brächte: Ein gegenwärtiger Berliner Künstler interpretiert auf seine Weise das Werk dieser Berliner Broadway-Protagonisten neu und arbeitet dabei genauso kreativ-interpretierend mit den Musical-Vorgaben wie es Weill und Loewe ein gutes halbes Jahrhundert zuvor getan haben? Die Songs von Weill und Loewe würden dabei dahingehend überprüft, inwieweit sie rund ein halbes Jahrhundert später noch Relevanz besaßen, inwieweit sie in den Popkosmos von heute integrierbar waren, oder nur noch zu Ballhaus-Nostalgie oder Fernsehballett-Banalität taugten.
Ich wollte mit dieser Aufgabe einen Berliner Künstler betrauen, von dem man Derartiges nicht unbedingt erwartet, also niemand etwa aus der Neo-Swing-Szene. Lieber jemand, der sich zum ersten Mal mit diesen Kompositionen auseinandersetzt, weil er eigentlich musikalisch ganz woanders ist, nämlich in einer der vielen Pop-Nischen der Gegenwart. Es sollte aber auch jemand sein, der selbst Songwriting-Kompetenz besaß, um die Leistungen von Weill und Loewe überhaupt einschätzen zu können und der technisch in der Lage war, die - speziell mit dem Standard heutiger Indie-Pop-Songs verglichen - nicht immer ganz einfachen Stücke bewältigen zu können.
Masha Qrella war nicht die erste, die mir einfiel, aber die erste, die all diese Anforderungen erfüllte. Hinzu kam, dass ich sie für eine großartige, aber tendenziell eher unterforderte Sängerin hielt. Wie interessant wäre es, wenn diese Stimme, mit diesem musikalischen Background in aller Unbefangenheit etwa den von hunderten von Jazz-Sängerinnen und -Sängern zur Genüge durchinterpretierten Song "Speak low" singen würde! Wobei ich mir jedoch genauso vorstellen konnte, dass sie mir auf einen Vorschlag einen Vogel zeigen würde.
Das Album "Speak Low - Loewe and Weill in Exile" zeigt nun nicht nur, dass sie sich auf die Idee einließ, sondern meine kühnsten Erwartungen noch übertroffen wurden. Es ist ihr und ihren Musikern tatsächlich gelungen, die Weill- und Loewe-Originale so zu arrangieren und zu spielen, als wären sie ihnen gerade eingefallen, sie haben sie sozusagen in sich eingebaut. Sie sparen sich das Drama, die Theatralik, die für fast alle Interpreten bislang anscheinend unverzichtbar waren und bewahren sich die lakonische Melancholie, die auch ihre bisherigen Alben kennzeichnete. Wer nicht um ihre Herkunft weiß, wird Mashas neue Stücke womöglich einfach als neue Qrella-Originale annehmen.
Es gilt aber nicht nur Masha und ihre Band zu loben. Die ausgewählten Titel haben die angesprochene Prüfung allesamt mit Auszeichnung bestanden. Sie funktionieren auch in diesem Kontext vorzüglich, sie blühen geradezu auf. Ein fast zu Tode gespielter Standard wie der "September Song" klingt wieder frisch, der "Wanderin' Star", der seit Lee Marvins Grunzversion eigentlich auf ewig in die Hölle musikalischer Witzischkeit verbannt schien, kann wieder das Herz rühren und die "Speak Low"-Version der Four Freshmen bleibt womöglich doch nicht auf alle Zeit die definitive.
Zu schade, dass der Carnegie Hall auf halber Strecke das Geld für ihr Berlin-Programm ausging. So blieb es bei dem einen Auftritt im Haus der Kulturen der Welt im Oktober 2007. Umso feiner, dass es jetzt endlich dieses Album gibt." Detlef Diederichsen, Berlin, März 2009
Anders als bei Masha Qrellas vorherigen Solo-Alben wurden die Stücke diesmal mit der Band arrangiert und in einer 4-tägigen Studiosession live eingespielt.
Wir baten den Kurator der Veranstaltungsreihe Detlef Diederichsen um Linernotes zu den nun erscheinenden Neu-Interpretationen der Broadway Klassiker. Hier ein Auszug:
"[...] Wie wäre es, wenn man Berlin und Broadway auf diesen gemeinsamen Nenner [Popular Music] brächte: Ein gegenwärtiger Berliner Künstler interpretiert auf seine Weise das Werk dieser Berliner Broadway-Protagonisten neu und arbeitet dabei genauso kreativ-interpretierend mit den Musical-Vorgaben wie es Weill und Loewe ein gutes halbes Jahrhundert zuvor getan haben? Die Songs von Weill und Loewe würden dabei dahingehend überprüft, inwieweit sie rund ein halbes Jahrhundert später noch Relevanz besaßen, inwieweit sie in den Popkosmos von heute integrierbar waren, oder nur noch zu Ballhaus-Nostalgie oder Fernsehballett-Banalität taugten.
Ich wollte mit dieser Aufgabe einen Berliner Künstler betrauen, von dem man Derartiges nicht unbedingt erwartet, also niemand etwa aus der Neo-Swing-Szene. Lieber jemand, der sich zum ersten Mal mit diesen Kompositionen auseinandersetzt, weil er eigentlich musikalisch ganz woanders ist, nämlich in einer der vielen Pop-Nischen der Gegenwart. Es sollte aber auch jemand sein, der selbst Songwriting-Kompetenz besaß, um die Leistungen von Weill und Loewe überhaupt einschätzen zu können und der technisch in der Lage war, die - speziell mit dem Standard heutiger Indie-Pop-Songs verglichen - nicht immer ganz einfachen Stücke bewältigen zu können.
Masha Qrella war nicht die erste, die mir einfiel, aber die erste, die all diese Anforderungen erfüllte. Hinzu kam, dass ich sie für eine großartige, aber tendenziell eher unterforderte Sängerin hielt. Wie interessant wäre es, wenn diese Stimme, mit diesem musikalischen Background in aller Unbefangenheit etwa den von hunderten von Jazz-Sängerinnen und -Sängern zur Genüge durchinterpretierten Song "Speak low" singen würde! Wobei ich mir jedoch genauso vorstellen konnte, dass sie mir auf einen Vorschlag einen Vogel zeigen würde.
Das Album "Speak Low - Loewe and Weill in Exile" zeigt nun nicht nur, dass sie sich auf die Idee einließ, sondern meine kühnsten Erwartungen noch übertroffen wurden. Es ist ihr und ihren Musikern tatsächlich gelungen, die Weill- und Loewe-Originale so zu arrangieren und zu spielen, als wären sie ihnen gerade eingefallen, sie haben sie sozusagen in sich eingebaut. Sie sparen sich das Drama, die Theatralik, die für fast alle Interpreten bislang anscheinend unverzichtbar waren und bewahren sich die lakonische Melancholie, die auch ihre bisherigen Alben kennzeichnete. Wer nicht um ihre Herkunft weiß, wird Mashas neue Stücke womöglich einfach als neue Qrella-Originale annehmen.
Es gilt aber nicht nur Masha und ihre Band zu loben. Die ausgewählten Titel haben die angesprochene Prüfung allesamt mit Auszeichnung bestanden. Sie funktionieren auch in diesem Kontext vorzüglich, sie blühen geradezu auf. Ein fast zu Tode gespielter Standard wie der "September Song" klingt wieder frisch, der "Wanderin' Star", der seit Lee Marvins Grunzversion eigentlich auf ewig in die Hölle musikalischer Witzischkeit verbannt schien, kann wieder das Herz rühren und die "Speak Low"-Version der Four Freshmen bleibt womöglich doch nicht auf alle Zeit die definitive.
Zu schade, dass der Carnegie Hall auf halber Strecke das Geld für ihr Berlin-Programm ausging. So blieb es bei dem einen Auftritt im Haus der Kulturen der Welt im Oktober 2007. Umso feiner, dass es jetzt endlich dieses Album gibt." Detlef Diederichsen, Berlin, März 2009
Anders als bei Masha Qrellas vorherigen Solo-Alben wurden die Stücke diesmal mit der Band arrangiert und in einer 4-tägigen Studiosession live eingespielt.
Masha Qrella: Speak Low - Loewe And ...
I Talk To The Trees
Masha Qrella
3:44
My Ship
Masha Qrella
4:02
Speak Low
Masha Qrella
3:59
One Life To Live
Masha Qrella
4:41
On The Street Where You Live
Masha Qrella
2:51
Drunken Scene
Masha Qrella
3:03
Wandering Star
Masha Qrella
5:16
I´m A Stranger Here Myself
Masha Qrella
3:31
Little Prince
Masha Qrella
3:21
September Song
Masha Qrella
4:52
Saga Of Jenny
Masha Qrella
4:57
Auch schön:
-
Morr Music
2CD/2LP -
Lali Puna
I Thought I Was Over That
Morr Music
2CD: 9,99 €
2LP: 15,99 €
-
Morr Music
CD/2LP -
Masha Qrella
Unsolved Remained
Morr Music
CD: 5,99 €
2LP: 9,99 €
-
Mobilé
CD/LP -
Slowblow
Slowblow
Mobilé
CD: 13,99 €
LP: 13,99 €
-
A Number Of Small Things
7” -
Seabear
Lion Face Boy / Cold Summer
A Number Of Small Things
7”: 4,99 €
-
Morr Music
CD/LP -
The Go Find
Stars On The Wall
Morr Music
CD: 9,99 €
LP: 9,99 €
