Various Artists - Asthmatic Worm

Various Artists

Asthmatic Worm

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Asthmatischer Wurm, Spitzname des Akkordeons im 19. Jahrhundert.
Seit seiner Erfindung war das Akkordeon vor allem ein klassisches Konzert- und Folk - Instrument. Bis heute hat sich daran wenig geändert. Erst in den letzten Jahren fand das Akkordeon verstärkt Beachtung von Produzenten elektronischer Musik. Björk arbeitete mit dem japanischen Akkordeonspieler Coba zusammen, Rephlex-Künstler Bogdan Raczynski nahm ein komplettes Akkordeon-Album auf und Uwe Schmidt sampelte es für seine Senor-Coconut-Platte mit Kraftwerk-Covern.
Nicht-Instrumentalisten, denen mehr am Klang als an dem virtuosen Spiel eines Musikinstruments liegt, können dem Akkordeon leicht Melodien und Rhythmen entlocken, selbst wenn dessen Beherrschung nur schwer zu lernen ist. Und die durch einen Blasebalg und freischwingende Zungen erzeugten charakteristischen Klänge geben den Tracks eine organische Qualität, die sich digital kaum erzeugen lässt. Auf Asthmatic Worm benutzt Matthew Herbert das Akkordeon etwa, um für sein von Yves St. Laurent für eine Pariser Modenschau in Auftrag gegebenes (und abgelehntes!) "Café De Flore" Assoziationen an den französischen Musette zu wecken. Für Gotan Project ist das gedubbte Bandoneón, einer in Argentinien populären Version des Akkordeons, essenzieller Bestandteil ihrer Tango-Interpretationen. Pole wiederum benutzt das Instrument auf seinen Remix eines Atom Heart-Stücks lediglich als eine weitere, wenn auch tragende, Klangquelle, die es weiterzubearbeiten gilt.
Aufgrund ihrer einfachen Handhabung ist die mit dem Akkordeon verwandte Melodika mittlerweile ein beliebtes Instrument für elektronische Produzenten – sowohl was den Studio- als auch den Livegebrauch anbelangt. Für Albrecht Kunze, der zusammen mit Ekkehard Ehlers das Duo März bildet, das auf Asthmatic Worm mit "Bars, 1,2,3,4" vertreten ist, ist es sogar "DAS akustische Instrument der Generation Midi und Laptop. Jeder kann damit Musik machen. Dass heißt: das Besondere und Großartige an der Melodika ist nicht das, was man kann, sondern was man damit macht."
Wie unterschiedlich die Stücke der isländischen Gruppe Múm, des Nu-Dub-Players Burnt Friedman oder des Pop-Prankster Gonzales auch klingen mögen - auf Asthmatic Worm verbindet sie der eindringliche Klang von Akkordeon und Melodika. Ein Klang, der einem nach dem Hören dieser Compilation vielleicht auch an anderer Stelle wiederbegegnet: in Technotracks des Polen Jacek Sienkiewicz, bei Trail of Dead oder der neuesten Produktion von Dr Dre ...

Örvar Smárason (Múm):
Das Akkordeon hat eine lange Tradition in der isländischen Volksmusik. Viele ältere Leute in Island eigentlich nichts anderes außer Akkordeonmusik. Jedes mal wenn ich meine Großmutter besuche, fragt ihr Freund mich, ob wir auch solche Musik machen und legt eine dieser Akkordeonplatten auf. Ich sage dann: Na ja, wir spielen auch Akkordeon, aber es klingt etwas anders.

Albrecht Kunze (März):
Das Besondere an der Melodika ist, dass es ein akustisches Instrument für Nicht-Instrumentalisten ist: DAS akustische Instrument der Generation Midi und Laptop: jeder kann damit Musik machen. Dass heißt: das Besondere und Großartige an der Melodika ist nicht das, was man kann, sondern was man damit macht.

Roman Flügel (Sensorama):
Es ist ein großes Vergnügen mit der Melodika zu spielen. Es gibt ja auch kaum etwas einfacheres. Du nimmst das Ding in die Hand, bläst rein und kannst ganz leicht eigene Melodien finden.

Helmut Herler (Hey):
Die seidigen Höhen und der nasale Grundton das finde ich großartig an der Melodika. Sie setzt sich einfach durch als Melodieinstrument. Und beim Spielen und Blasen der Melodika gibt es eine viel größere Direktheit, als wenn du zum Beispiel einen Rhythmus auf einem Drumcomputer programmierst.

Matthew Herbert (Doctor Rockit):
Akkordeon zu spielen ist ein bisschen so, wie Leute hinters Licht führen. Es ist so einfach zu benutzen und es wurde bereits so viel Arbeit abgenommen. Wenn du hingegen Geige spielst, hängt sehr viel davon ab, dass sie richtig gestimmt wurde. Bei der Gitarre verbringst du Jahre damit, den richtigen Platz für die Finger zu finden. Mit dem Akkordeon umgehst du all diese Probleme und kannst gleich loslegen.

Christoph H. Müller (Gotan Project):
Für uns war die Idee entscheidend, das Bandoneón zu dubben. Anfangs hatten wir diesen sehr realistischen Klang des Bandoneóns. Aber wir wussten nicht, wie wir das in unsere elektronische Produktion einbeziehen sollen. Das Dubben war dafür die Lösung. Das war sozusagen unser Soßenbinder, der das elektronische mit dem akustischen verbindet.

Bernd Friedmann (Burnt Friedman):
Es ist ja schon ein Paradox mit diesem Equipment - mit Sampler, Soundmodulen und all diesem High-Tech-Zeug zu einer Musik zu kommen, die in sich stimmig ist. Für mich ist es stimmig, wenn es arm oder schäbig klingt. Ich mag es, wenn Musik zerbrechlich und tröstend wirkt und das sind Attribute, die ich der Melodika zuschreiben würde.

Stefan Betke (Pole):
Ich mag die unterschiedlichen Formen des Spielens, die es beim Akkordeon gibt. Zum einen steuerst du es über die Bewegung und die Luftzufuhr, zum anderen über das Fingerspiel auf den Tasten. Dadurch ergeben sich sehr vielseitige Kombinationen.

Markus Nikolai:
Ich erinnere mich besonders gerne an die Akkordeon-Konzerte an Weihnachten zu Hause. Weihnachten ohne Akkordeon – das war unvorstellbar! Toll waren auch immer die Herbstkonzerte unseres Akkordeonvereins in der Stadthalle in Hofheim. Da kamen jedes Mal über tausend Leute hin, wir spielten mit 20 Akkordeons auf der Bühne und ich war immer wahnsinnig aufgeregt.

Jimmy Tamborello (Dntel):
Ich bin immer wieder davon fasziniert wie das Akkordeon atmet. Es ist fast menschlich. Und auch etwas unheimlich. Für mich ist es fast wie ein Roboter ohne Elektronik. Zugleich besitzt es einen sehr unschuldigen Klang und es kann gleichzeitig sehr glücklich, aber auch sehr traurig klingen.

Jörg Follert (Wechsel Garland):
Der Klang der Melodika ist ein sehr spezieller. Selbst live braucht man ihn kaum zu verstärken, man hört ihn einfach. Sie hat ein ziemlich spezielles Frequenzspektrum zwischen Akkordeon und Harmonica das mir sehr gut gefällt - durchsetzungsfähig und gleichzeitig traurig. Und es ist sehr euphorisierend, wenn man Melodika spielt. Das ist fast schon wie singen, weil viel Luft dabei durch den Körper geht.

Gonzales:
Ich mag die Melodika, weil sie klein und laut ist und viele Leute sie für ein Studenteninstrument halten. Wir sind alle Studenten!

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