P.A. Hülsenbeck

Garden Of Stone

Altin Village & Mine AVM 067 CD
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Auf dem Frontcover von "Garden Of Stone", dem ersten Soloalbum von P.A. Hülsenbeck, der wirklich so heißt und zumindest nicht ausschließen kann, dass er mit dem gleichnamigen Dadaisten Richard Hülsenbeck verwandt ist, meint man, einer Schlange bei der Häutung zuzuschauen. Dann erkennt man zwei Hände und schließlich, bei genauerer Betrachtung, offenbart sich: die Haut besteht aus Textil. Auch "Garden Of Stone" ließe sich als Häutung beschreiben, hier wird etwas abgelegt, um etwas Neues zu bedeuten. Aber P.A. ist keine Schlange. Die neun Stücke des Albums lassen viel mehr beobachten, wie sich ein Mensch entpuppt.

Das Gesicht aber bleibt auf dem Cover verborgen, und die Stimme wird, trotz eines prallen Textvolumens, mehr als Instrument eingesetzt, ist im Mix jenseits des Vordergrunds angesiedelt. Davor, darum, darüber, darunter: Gitarre, Synthesizer, Koto, Saxophon, Trompete, Horn, Schlagzeug, und ein Bass, der dem ganzen einen weichen, holzigen Rahmen bietet. Es scheint, der Musik entströme ein sanfter Geruch, eine Waldhütte, Tannennadeln, irgendwo das Meer. Das mag auch an der starken Dramaturgie liegen, der die neun Stücke folgen, sie werden laut, ziehen sich zurück, eine Verzerrung treibt von der Seite in den Songkörper, Bläser tragen die Melodie davon. Die Musik von P.A. Hülsenbeck ist das Resultat einer Klangsuche, einer mehrstimmigen Reflexion des Musikalischen an sich, sie ist organisch, bewegt sich in der Dunkelheit, tanzt in diesem Klangreigen jedoch, statt sich zu verstecken.

Als Hülsenbecks erste Band Sizarr nach einer bewegten Zeit aufhört, zu existieren, radikalisiert der Musiker unter dem Namen Doomhound zunächst seine Formsprache, um sich nach einem Jahr des Tourens aus dem stark elektronisch gefärbten Klangkorsett zurückzuziehen. In Leipzig fängt er an zu tanzen, ganz ohne Metapher: Hülsenbeck kommt zum Tanztheater, lernt so neue Techniken zur Erfahrung der Beziehung zwischen Körper und Geist kennen, übt sich in expressiver Improvisation, findet über diese körperlichen Techniken auch eine Philosophie, die von nun an seine Kunst bestimmen soll: das Innere unreflektiert nach außen kehren und dabei nicht in Relation zum Außen setzen. Ein Prozess, in dem sich Hülsenbeck immer wieder in jenem bezeichnenden Garten aus Stein wiederfindet, in einer kargen Landschaft, aus der heraus er schließlich bemerkt: Im Rundherum ist alles da – es geht nur darum, einen eigenen Weg zu finden, es zu formen.

Am deutlichsten ist dies nun in der ersten Single dieses reifen Debuts zu erfahren, "A Serpent Of Velour": "When the scorpion kissed a careless heart / It was yearning to be torn apart." Die Musik wird zur Reise. Im Garten beginnt es zu blühen. Hier lernen wir ein Ich kennen, das beobachtet, dem Beobachteten ausgesetzt ist. Insekten kriechen über Stoffe, Erinnerungen verblassen, Sehnsucht entsteht. Kommen "Anima", "Säule" und "Vessel" instrumental aus, erzählen die anderen sechs Stücke auf "Garden Of Stone" Geschichten, die im Gesamten schließlich einen Menschen erscheinen lassen, auch, wenn dieser sich nicht nach vorne stellt: P.A. Hülsenbeck ist Philipp Hülsenbeck.

Die Produktion unternahm der in Berlin lebende Musiker selbst, zusammen mit seinem Freund Tim Roth (Ex-Drangsal), die Aufnahmen begleiteten Joe Haege und Fritz Brückner (beide White Wine), Schlagzeug spielte Johannes Döpping, der Bass stammt von Johannes Weber (Jungstötter), Horn und Trompete von Max Kraft. Alles andere spielte Hülsenbeck selbst ein, schloss für "Anima" sogar Freundschaft mit einem Saxophon. Im "Garden Of Stone" ist so eine Musik entstanden, die oft überrascht und dabei deutlich spürbar wieder in den Sinn bringt, welche intensiven Gefühle zu transportieren Musik im Stande ist. Und welche Schönheit ihr innewohnt.

P.A. Hülsenbeck: Garden Of Stone

Anima P.A. Hülsenbeck 2' 12''
Survey P.A. Hülsenbeck 5' 20''
Aya On Canvas P.A. Hülsenbeck 5' 56''
A Serpent Of Velour P.A. Hülsenbeck 4' 22''
Säule P.A. Hülsenbeck 1' 04''
Speaking In Tongues P.A. Hülsenbeck 6' 13''
Stairs Of Alfama P.A. Hülsenbeck 7' 24''
Eager Lust P.A. Hülsenbeck 4' 11''
Vessel P.A. Hülsenbeck 4' 20''

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