Ursula Bogner

Recordings 1969-1988 (2018 Remaster)

Faitiche faitiche01LP-RE
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Faitiche wird 10 Jahre alt. Im Oktober 2008 erschien die erste Katalognummer des eigens hierfür gegründeten Labels: Ursula Bogner - Recordings 1969-1988. Im eigentlichen Leben als Wissenschaftlerin in der Pharmabranche tätig, experimentierte Ursula Bogner über 30 Jahre unentdeckt mit elektronischer Musik. Als Jan Jelinek 2008 erstmalig Bogners Werke zu hören bekam, war die Begeisterung groß. Jelinek stellte aus dem umfangreichen Material ein Album zusammen, das anlässlich des 10jährigen Jubiläums in einer neu gemasterten Version (LP/digital) wiederveröffentlicht wird. Die Neuauflage enthält außerdem vier Bonustitel, die bisher nur auf einer raren 7" Vinylsingle (Ursula Bogner: Pluto hat einen Mond, Maas Media Verlag 2010) zu finden waren.

Pressestimmen 2008

pitchfork.com
Most of Recordings 1969-1988 sounds simultaneously like pop and art. Bogner's M.O. is to take a few simple loops - rumbling bass, watery plops, chirping squalls, laserlike blasts - and overlap them, producing songs so sweet they'll make you laugh (the elephant-march opener "Begleitung für Tuba"), so repetitive they'll hypnotize you (the swinging "Inversion"), and so inventive they sound alien (the robotic "2 Ton").

The Wire Magazine
Despite Bogner's status as a bona fide outsider artist, her music opens up a surprising number of connections. It's terse, yet playful; cosmic in reach, yet human in scale. Much of the strange, laconic material collected here would fit seamlessly alonside the recent anthology of work by the BBC Radiophonic Workshop's John Baker - and there are occasional, skewed parallels with the gentle pulsations of Cluster and Harmonia.

residentadvisor.net
Recordings 1969-1988 collects 16 of these early electronic collages, many of which clock under two minutes, and presents them as a crate-digging, proto-techno discovery along the lines of BBC Radiophonic Workshop alumni such as Daphne Oram and Delia Derbyshire. Raymond Scott comes to mind as well. Bogner's work exhibits that same kind of curiosity with what those machines could do: it's simple and short and imperfect. 

Original Info text von 2008:

Nahezu unglaublich, dass Ursula Bogner als Musikerin bis dato unentdeckt geblieben ist. Und genauso unglaublich, und doch wieder alltäglich, liest sich ihre Biografie.
In einem Flugzeug auf dem Weg nach Vilnius machte ich die Bekanntschaft mit Sebastian Bogner, den Sohn Ursulas, der, so erzählte er, auf Geschäftsreise sei und in der Pharmaindustrie tätig ist. Schnell kamen wir über den üblichen Smalltalk auf seine Mutter zu sprechen, die "auch mit Synthesizern musizierte", allerdings rein privat, in einem hierfür eigens eingerichteten Musikzimmer im elterlichen Wohnhaus. Das Interesse ihres Umfelds war gering, die Musik wurde als eines ihrer vielen exzentrischen Hobbys wahrgenommen. Denn vordergründig war Ursula Bogners Lebenswelt durch und durch bürgerlich: Pharmazeutin, Ehefrau, Mutter inklusive Einfamilienhaus. Umso bizarrer scheint ihre Obsession für elektronische Musik. Eine Obsession, die sie glücklicherweise dazu antrieb, ein eigenes Studio einzurichten, um dort zu experimentieren und Aufnahmen zu machen.

Gemessen an den üblich chronologischen Eckdaten, ist Ursula Bogners Biografie schnell erzählt: 1946 in Dortmund geboren und aufgewachsen, zog sie 19jährig nach Westberlin um Pharmazie zu studieren. Kurz nach dem Studium begann sie für den großen Pharmakonzern Schering zu arbeiten. Es folgten Heirat und Kinder, sowie eine erfolgreiche aber nicht Aufsehen erregende Karriere als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Konzern. Parallel dazu wuchs ihr Interesse an elektronischer Musik. Anfang 20 verfolgte sie die Aktivitäten um das Studio für elektronische Musik in Köln, besuchte Seminare des Studiogründers Herbert Eimert, begeisterte sich für Musique Concrète und teilte später mit ihren Kindern die Liebe zu englischen New Wavepop. Doch Ursula Bogner war nie aktiver Bestandteil einer Szene, schien nicht ambitioniert, ihre Musik einer Öffentlichkeit zugängig machen zu wollen. Vielleicht war dies verschuldet durch eine Neugier, die sich bei weitem nicht auf die Musik beschränkte: Sie malte, druckte (2 ihrer Linol- drucke sind auf der LP abgebildet) und war Anhängerin der Orgonomie Wilhelm Reichs, des bizarren Spätwerks des Sexualforschers und Psychoanalytikers, dessen Erkenntnis in der Entdeckung der Orgonenergie lag. Einer spezifisch über die Sonne abgegebenen Energie, die Reich für Heilzwecke zu bündeln, bzw. mittels einer von ihm entwickelten Apparatur zu sammeln versuchte. Folglich wurden diese aus Holz und Metall konstruierten Kabinen Orgonakkumulatoren genannt. Inspiriert durch mehrere Reisen nach Orgonon in Maine, USA‚ der ehemaligen Arbeits- und Wohnstätte Wilhelm Reichs, baute auch Ursula Bogner sich solch einen Akkumulatoren. Er befand sich im Garten der Familie. Spätestens hier drängt sich der Verdacht auf, den Sebastian Bogner zu bestätigen weiß: Seine Mutter war durchaus affin fürs Esoterische. Berge von New Age Literatur und grenzwissenschaftlichen Arbeiten waren Bestandteil des Bognerischen Alltags. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass sie sich zugleich immer auch als Mitarbeiterin des Schering Konzerns in einem Wissenschaftskanon bewegte. Auch ihre Kompositionen besitzen wenig Nähe zur Esoterik, haben vielmehr Studien- und Skizzencharakter, sind zugleich humoristisch und in Bezug auf ihre Biografie eher albern, als irgendeiner Mystik oder Wissenschaft verpflichtet. Nichtsdestotrotz fällt es schwer, ihr Werk als Ganzes zu greifen. Man kann sagen, dass sich über die 20 Jahre ihre Komponierens eine große Bandbreite anhäufte, und dementsprechende enorm ist die Fülle ihrer Arbeit.

Ursula Bogner begann in den späten 60erJahren ihre Musik auf Tonbänder aufzuzeichnen. Mitunter lagen nur die einzelnen Spuren der auf einem Vierspurrecorder aufgenommenen Stücke vor, so dass ich die jeweiligen Bänder erneut abmischen musste. Leider konnte mir Ursula Bogner bei dieser Arbeit nicht mehr zur Seite stehen, da sie bereits 1994 in Berlin verstarb. In Anbetracht des Originals mag das unsensibel erscheinen - aber auf anderem Wege war es nicht möglich, die Stücke in ihrer Ganzheit zu hören. Letztendlich befinden sich nur drei dieser "Interpretationen" auf der LP. Alle anderen Titel entsprechen den Originalbändern. Ihre Entstehungsjahre liegen eng beieinander, und auch inhaltlich kann man, so hoffe ich, eine Kohärenz erkennen. Eine Kohärenz, die eine zugängliche, rhythmische, streckenweise poppige Facette widerspiegelt. Und natürlich hat bei der Auswahl auch meine persönliche Vorliebe mit entschieden. Müsste ich mit dem Finger auf meine Favoriten deuten, wären es gewiss die auf der LP versammelten Stücke; jedes Mal erneut erliege ich fast kichernd der Nonchalance, die in diesen Titeln mitschwingt. Viele Stunden Musik bleiben so unentdeckt, aber eine weitere Zusammenstellung ist bereits in Arbeit.
Mein Dank geht an die Familie Bogner und insbesondere an Sebastian Bogner, der mir die Tonbänder großzügigerweise zur Verfügung stellte sowie Einblick in das Leben seiner Mutter gewährte. Bleibt nur, den Hörern dieselbe Begeisterung zu wünschen, die ich bei der Entdeckung Ursula Bogners hatte.

Berlin 2008, Jan Jelinek

Ursula Bogner: Recordings 1969-1988 (2018 Remaster)

Begleitung für Tuba (2018 Remaster) Ursula Bogner 2' 26''
Inversion (2018 Remaster) Ursula Bogner 1' 59''
Proto (2018 Remaster) Ursula Bogner 1' 34''
Metazoon (2018 Remaster) Ursula Bogner 3' 36''
Momentaufnahme (2018 Remaster) Ursula Bogner 1' 14''
2 Ton (2018 Remaster) Ursula Bogner 3' 05''
Speichen (2018 Remaster) Ursula Bogner 1' 59''
Modes (2018 Remaster) Ursula Bogner 1' 58''
Expansion (Version) (2018 Remaster) Ursula Bogner 1' 56''
Synchronton 2 (2018 Remaster) Ursula Bogner 2' 35''
Atmosphäre 1 (2018 Remaster) Ursula Bogner 51''
Punkte (2018 Remaster) Ursula Bogner 3' 02''
Expansion (2018 Remaster) Ursula Bogner 2' 18''
Für Ulrich (2018 Remaster) Ursula Bogner 1' 49''
Pulsation (2018 Remaster) Ursula Bogner 1' 45''
Testlauf (2018 Remaster) Ursula Bogner 1' 32''
Soloresonanzen (2018 Remaster) Ursula Bogner 5' 16''
Photosphäre (2018 Remaster) Ursula Bogner 1' 41''
Rhythmus 80 (2018 Remaster) Ursula Bogner 2' 15''

Auch schön: